Hungerkralle in Berlin - Wenn der Himmel weint

Wenn der Himmel weint

Quelle: DPA
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Ein grauer Wolkenschleier liegt über Berlin. Kleine Schneeflocken fallen leise auf das Luftbrückendenkmal der Hauptstadt. Am Boden angekommen, schmelzen sie auf der Denkmalinschrift: ,,Sie gaben ihr Leben für die Freiheit Berlins im Dienste der Luftbrücke 1948/1949“ und fließen wie Tränen den Sockel hinab. Eine Träne für jeden Toten, der sein Leben aufgrund der Luftkorridore verloren hat. Nach 70 Jahren erinnert ein Mahnmal mit drei Krallen an die Luftbrücken der vier Siegermächte.

Eine der vielen Folgen des Zweiten Weltkriegs für Deutschland war die Gespaltenheit und Zerrissenheit des Landes. Und nicht zu vergessen: Eine geteilte Hauptstadt, die vielen Menschen das Leben kostete. Es geht um vier Zonen - eine für jeden der Alliierten, sowie um den sowjetischen Osten und den kapitalistischen Westen, den wiederum die Sieger Frankreich, Großbritannien und die USA untereinander teilten. Diese Anordnung spiegelte die alliierte Lösung für ganz Deutschland wider. Berlin war eine Enklave, eine Insel mit Sonderstatus, die, umschlossen von der sowjetischen Besatzungszone, von vier Nationen regiert wurde. 1947 etablierte sich im westlichen Teil Deutschlands, allerdings nicht ohne Mitwirkung der Westalliierten, eine Regierung. Die Reaktion der sowjetischen Seite, vermutlich durch Neid getrieben, folgte 1949.

 

In dieser Zeit entstand im Zuge der Spannungen des Kalten Krieges die komplizierte Regierungsstruktur im Großraum Berlin. Das Resultat war Westberlin, das sich mit der Bundesrepublik Deutschland, verband. Ostberlin, das die Ruinen der alten und historischen Mitte Berlins und die Randgebiete im Osten umfasste, wurde zur Hauptstadt der Deutschen Demokratischen Republik (DDR). Es entstand ein politisches Gefüge, dass sich bis in den heutigen Alltag fortsetzt: Die „Wessis“ im Westen, die „Ossis“ im Osten. Ab 1948 pumpten die Amerikaner im Zuge des Marshall-Plans Kapital nach Westdeutschland, was zu einer der stärksten Volkswirtschaften der Welt, einem enormen Wohlstand und zur Ausbildung einer stabilen Demokratie führte. Deutschland war seither gespalten.

 

Bei jeder Gelegenheit wurde in den westlichen Ländern über die Wiedervereinigung gesprochen, jedoch nahm niemand die Sache ernst. Immer noch an sehr komplexe Vorschriften gebunden, begann man Westberlin auszubauen. Dieser Vorgang wurde von Westdeutschland und von den Alliierten besonders unterstützt. Das Überleben wurde zum Symbol des westlichen Engagements gegen den sowjetischen Kommunismus. Es wurde viel Geld investiert, um die Industrie wiederzubeleben und eine neue Universität zu gründen, da in Ostberlin kommunistische Professoren die Humboldt-Universität . beherrschten. Die ostdeutsche Regierung war sich sicher, dass Westberlin sehr schnell fallen würde. In der Taktik der Einschüchterung und Ausbremsung waren sie sehr erfinderisch. So wurden Autobahnen stunden- oder tagelang gesperrt, ebenso Kanal- und Eisenbahnkorridore. Schließlich wurde die Stadt zum Leidwesen der Bevölkerung völlig blockiert. Das Einzige, was die Kommunisten nicht blockieren konnten, war der Himmel.

Die Amerikaner, insbesondere General Lucius D. Clay, erfanden den Air Lift. Clay sagte dazu: „The people of Berlin have earned their freedom“ – Die Berliner haben ihre Freiheit verdient. Vom 24. Juni 1948 bis zum 12. Mai 1949 flog eine B-29 nach der anderen zum Flughafen Tempelhof und versorgte die Stadt bis zur Aufhebung der Blockade mit dem Nötigsten. Daher waren die Amerikaner in den späten vierziger Jahren und auch weit darüber hinaus Helden für viele Westberliner. Berlin räumte Kriegstrümmer auf, wuchs und florierte. Allerdings nicht ganz so dynamisch wie das übrige Westdeutschland.

 

Im Juni 1961 versicherte Walter Ulbricht, damaliger Chef der deutschen kommunistischen Regierung, in einem Interview mit einer westdeutschen Zeitung, dass niemand die Absicht habe, eine Mauer zu bauen. Ulbrichts Aussage verursachte eine massive Abwanderung aus dem Osten. Jedem war bewusst, dass ein „Eiserner Vorhang“ gezogen wird. In der Nacht vom 12. auf den 13. August 1961 schließlich kam von der Sozialistischen Einheitspartei Ostdeutschlands (SED) der Befehl zur Grenzabrieglung der Sektoren, um als Schutzwall gegen den westdeutschen Faschismus und den amerikanisch-kapitalistischen Imperialismus zu dienen. Für kurze Zeit schien es aus Sicht der ostdeutschen Regierung zu funktionieren.

Die Mauer wurde in der Tat gebaut, um die Flut von Flüchtenden zu stoppen. Natürlich gelang es Einigen, aus der DDR zu fliehen. Aber wie vielen Menschen kostete dieser Versuch zu fliehen, das Leben? Jede erdenkliche Art von Erfindung wurde auf die Probe gestellt. Menschen verkleideten sich als russische Offiziere, gruben Tunnel und flogen mit selbstgebauten Flugzeugen über die Grenze Die Berlin-Blockade, auch „Erste Berlin-Krise“ genannt, zerstörte das Leben Vieler, wenn auch nicht aller Berliner. Familien wurden auseinandergerissen und Menschen starben, als sie versuchten, auf die bessere Seite der Mauer zu flüchten.

 

Man betrachtet die Blockade von Berlin oft als Repression vonseiten der Sowjetunion. Meiner Auffassung nach, wollte man durch die Isolierung Berlins ganz Deutschland, wirtschaftlich wie politisch, in ein kommunistisches System drängen. Wir sollten froh darüber sein, dass die Pläne des „Roten Sektors“ gescheitert sind.

Wütend und traurig zugleich über die Ungerechtigkeit, die ganze Völker ertragen müssen, nur weil ein paar machthungrige Menschen ihren Willen allen anderen Individuen aufzwingen wollen, wende ich mich von dem Mahnmal ab, das nicht umsonst „Hungerkralle“ genannt wird, und gehe meines Weges.

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