Tausend und eine Zugfahrt

Geschichten aus dem Zug


Lange ist es her, mit der Deutschen Bahn ohne Verspätung durchs Land zu fahren. Ich spreche nicht von fünf oder 20 Minuten Verspätung, sondern von zwei, fünf und zehn Stunden Verspätung...

... Mal liegt ein Baum auf den Schienen, das andere Mal lässt sich einfach kein Zugführer finden, beim nächsten Mal hat jemand seine Haltestelle verpasst, zieht die Notbremse um zurück zu laufen. Amüsant wird es erst dann, wenn die Mitreisenden fluchen und sich gegenseitig ankeifen. Weniger amüsant wird es, wenn ich dann angebellt werde, weil ich den Notbremsen-Täter nicht aufgehalten habe.

 

Spannender wird es, sobald das SEK einen IC stürmt oder ein Paar aus dem Zug geschmissen wird, weil sie lauten Sex auf der Bordtoilette haben.

 

Dann sind da noch die Zugfahrten, die einen vor Angst fast sterben lassen, weil der Schnellzug von der Leitung abgekommen ist und in Gedanken der Notbremsen-Täter erscheint. Ab und zu können ehemalige Promis einem begegnen, die einem dann auch freiwillig ein Autogramm anbieten.

 

Leider sind da noch die nörgelnden Zugfahrenden, die es vor allem auf junge Mütter abgesehen haben und wirklich alles darum geben ihnen die Fahrt so anstrengend und unangenehm wie möglich zu machen. Schließlich ist es ein Verbrechen, wenn eine zweijährige mit einem Taschentuch spielt oder ein Säugling Hunger hat.

 

Auf Bahnfahrten erlebt man so gut wie alles. Von stinkendem Fischbrot und verrückte Schamanen bis hin zu vierzig betrunkenen Hooligans und Schlangen im Schuhkarton.

 

Die Märchen aus 1001 Nacht schlagen hier auf die moderne Konkurrenz. Statt auf Kamele und fliegende Teppiche quer durch die Welt zu reisen, setze ich auf komfortable Highspeed-Züge und stinkende Bummeleisenbahnen.

 

Wie jede Sache im Leben hat auch mein Märchen, der unendlich vielen und langen Bahnreisen einen Anfang. Für meine Mutter sind es Psychostories. Für unseren Kater, mich und meine Geschwister sind es richtige Abenteuerreisen, ganz á la Sindbad.  In dieser Geschichte heiratet nicht Scheherazade den König und die Geschichte nimmt ihren Lauf, sondern die Bahncard und das Wochenendticket kommen auf dem Markt und die Eisenbahnräder nehmen ihren Lauf.

 

Und ja, der Kater war auch immer dabei. Aber mit 17 Jahren gönnen wir ihm seine Ruhe. Einmal geriet er in die hungrigen Augen von "Menschen aus fernen Ländern".

 

Das war zu viel für unsere Gemüter und Wahnvorstellungen machten sich breit: Auf einmal leckten sich diese Mitreisenden die Lippen. Meine Mutter hat nur hinter ihrer Zeitung gelacht, während meine Schwester und ich unsere Jacken über den Transporter legten und versuchten die bösesten Grimassen aufzusetzen.

 

Wer sich für Geschichten interessiert, sollte hier einmal die Woche vorbeischauen, um die neusten und besten Bahn-Stories nicht zu verpassen.

Augenblicke in "Edinborrow"

10-Minuten-Moment in der Tram in Edinburgh. Von Harry Potter und Legolas bis zu popelnden Männern.